27.02.09 – ein Freitag

Mit dem kleinen Umweg über Prag kam unsere, nun bereits deutlich dezimierte, Truppe in Berlin irgendwann an. Während Herr K. und Herr D. nichts besseres am Hauptbahnhof Berlin zu tun hatten, als jungen Menschen, die mit einer sich norwegisch gebenden Bekleidungsmarke bekleidet waren, eine Tracht Prügel anzubieten („willst du gleich auf die Mappe oder erst im Zug?“) freute sich der Rest auf eine Dusche und ein warmes Bett.

Bleibt festzuhalten, dass bei allen intelektuellen Zugewinnen, auch einige Herzen bei den jeweiligen Fußballvereinen blieben. Neben Jan, der sich den Fußball vom Roten Stern unter seine Nägel gerissen hat (leider kein Bildnachweis von Jan mit Ball) zeugen einige Lichtbildokumente von neu gewonnenen Vereinslieben. Personen, die sich aber nicht den erstbesten Vereinen an den Hals geworfen haben, sollen sich hier auch noch mal wiederfinden.

26.02.09 – ein Donnerstag

Abschied nehmen war angesagt. Tolle Reise, tolle Stadt. Ein Teil von uns wird bleiben. Namentlich waren dies Vuc und Heiner. Macht’s gut Kameraden. Wir sehen uns wieder.

Der verbliebene dreckige Rest machte sich mit der Bimmelbahn auf, den Heimweg anzutreten. Neben faszinierenden Landschaften erfreuten wir uns an 378 Partien „Stadt Land Fluss“. Wer Obervolta als Land bei O nimmt, hat es wohl auch verdient sang- und klanglos gegen den Projektleiter unterzugehen. Seit 1984 heißt Obervolta Burkina Faso. Die Hauptstadt von Burkina Faso heißt übrigens Ougadougou und der Regierungschef Tertius Zongo, lieber Frank. Wärst du doch lieber bei Knack die Nuss und Knack die Nuss super schwer geblieben.

25.02.09 – ein Mittwoch

Als letzten Punkt der Projektes „Fußball Macht Nation“ wurde, wieder einmal im Zug, die Stadt mit den 304.000 Einwohnern angesteuert. Wird jetzt noch erwähnt, dass die Stadt ihren Namen vom türkischen Saray hat und sie östlich der Stadt Pale liegt, sollte es dem Leser dämmern. Es kann sich natürlich nur um Sarajevo handeln. Mittlerweile steckte die Reise allen beteiligten Personen schon arg in den Knochen, was dennoch nicht hieß, dass die Olympiastadt von 1984 nicht auch schnell neue Freunde fand. Eine schöne Stadt mit trauriger Geschichte.

24.02.09 – ein Dienstag

Am Ende des Tages stand wieder eine neue Stadt auf der Habenseite. Die alte Stadt in der Engstelle des Tales der Neretva, Mostar, sollte für knapp einen Tag unser Gastgeber sein. Berühmt für seine Brücke, welche im bosnisch-kroatisch-serbischen Krieg zerstört und 2002/03 wieder aufgebaut wurde, verlebten wir eine schöne Zeit in der vom Krieg so gebeutelten Stadt. Obwohl nicht alle Termine an diesem Tag klappten, blieb der Dienstag aufgrund der sehr schönen Altstadt in Erinnerung.

23.02.09 – ein Montag

No action without reflection. Der Montag sollte unserer Reflektion dienen. Als Fortbewegungsmittel musste ein Schiff herhalten. Bei diesem schönem Wetter aber auch eine sehr gute Wahl. Einige Impressionen von Land und Leuten auf den Bildern 1 bis 6.

Am Nachmittag sollte dann auch noch für einige Sportbegeisterte das runde Leder rollen. Die zufällig ausgewählten Bilden zeigen Situationen eines denkwürdigen Spieles. Bild 7: Axel kommt nicht am baumlangen Verteidiger vorbei. Bild 8: Felix verfehlt das Tor deutlich. Bild 9: Rico jubelt nach einem seiner schönen Tore. Ärgerlich: Einige hässliche Gesänge von sogenannten Fans. Szenen, die auf keinen Platz dieser Welt gehören.

22.02.09 – ein Sonntag

Am Sonntag Vormittag erreichten alle die schöne Hafenstadt Split. Probleme auf der Anreise, mit einem längerem Zwischenaufenthalt in Zagreb, gab es keine. In freudiger Erwartung wer denn da kommen möge, erwartete uns bereits eine halbe Hundertschaft am Bahnhof von Split. Man rechnete mit den berüchtigten Bad Blue Boys aus Zagreb. So hatten die eingesetzten Beamten Glück, dass sich im Zug nur 2 Fans aus Zagreb befanden und aus unserer Gruppe keiner die Konfrontation suchte (Bild 1).

Nachdem alle Zimmer bezogen waren, machte sich eine Abspaltung der Gruppe auf, um Karten für das kroatische Derby zu besorgen. Aufgrund von Problemen mit der offiziellen Akkreditierung mussten wir die Eintrittskarten auf dem Schwarzmarkt besorgen, den es offiziell gar nicht gab. Langsam aber stetig sammelten sich die Billets bei unseren Einkäufern und so hatten wir vor dem Spiel bereits 3 von 13 Tickets zusammen. Da aber das „ich muss unbedingt in dieses Stadion kommen“-Gefühl unterschiedlich ausgeprägt war, stand bereits vor dem Spiel fest, dass nicht alle das Spiel werden sehen können. Wer zwingend wollte, der konnte das Spiel auch sehen. Extreme Meinungen („wenn das 1860 München-Spiel im DSF zusammengefasst wird, bleibe ich im Hotel“) blieben die Ausnahme.

Nun galt es zügig unser reserviertes Lokal anzusteuern. Nachdem der Besitzer uns freundlich darauf hingewiesen hatte, dass bei Nichterscheinen jemandem die Eier abgeschnitten werden würden, waren allle pünktlich vor Ort. Wir waren sogar etwas zu früh, konnten uns dafür aber noch etwas an der sehr schönen Umgebung erfreuen (Bild 2 und 3).

Nach einem wieder wirklich gutem Essen ging es für den Großteil der Reisegruppe in das Stadium zum kroatischen Derby zwischen Hajduk Split und Dynamo Zagreb. Leider standen wir in verschiedenen Blöcken und konnten die Erlebnisse nicht mit unseren Freunden austauschen. Das Fußballpiel war nicht das Gelbe vom Ei aber darum ging es auch nur peripher (Bild 4 bis 9)

21.02.09 – ein Samstag

Am südöstlichen Rand des Pannonischen Beckens und an der Nordgrenze der Balkanhalbinsel, an der Mündung der Save in die Donau liegt die weiße (beo) Stadt (grad) gelegen, die schon zu allen Zeiten, Dreh- und Angelpunkt für Menschen aus Ost und West war. Von Dezember 2002 bis Dezember 2003 war Lothar Matthäus Trainer beim zweiten großen serbischen Verein, dem FK Partizan Belgrad.lothar-m1Um 11.30 Uhr trafen wir uns mir dem PR-Manager dieses Vereines. Beim Interview war dann auch eine der beiden einzigen Fragen, die vom Offiziellen an uns gestellt wurden, warum Herr Matthäus einen so schlechten Stand in Deutschland hätte. Nach dem Gang durch die Pokalsammlung durften wir dann auch noch den heiligen Rasen betreten. Beim Lokalrivalen ein Tag zuvor war dies noch nicht möglich. Wie deutsche Fußballfreunde damit ungehen, wenn sie auf dem Rasen stehen, auf dem just in diesem Moment das wichtigste Spiel der Reise stattfinden sollte, kann man auf folgendem Bild erkennen.

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Da sich nun alle, ob des ausgefallenen Stadtderbys, in einer nachdenklichen Gemütslage befanden, wurde ein kurzer Fußweg zum Haus der Blumen, dem Grab von Josip Broz, in die Diskussionen aufgenommen. Die Alternative wäre ein kurzfristig anberaumtes Testspiel zwischen Partizan Belgrad und Rad Belgrad gewesen. Die Tatsache dass das Spiel bereits lief, keine Fans (wir Journalisten hätten Zutritt bekommen) zugelassen waren und die Verkehrsanbindung eher schlecht war, gewährte Titos Blumenhaus den Vorzug. Eine Person hätte zu diesem Zeitpunkt ohnehin keine Fotoaufnahmen mehr machen können. Auf die näheren Umstände muss hier nicht näher eingegangen werden. Eine zukünftige Unterredung zwischen dem Projektverantwortlichen und einer Sekretärin von Partizan wird sicher für Klarheit sorgen.

Das Tito-Mausoleum konnte die Reisegruppe nicht nur mit interessanten Ausstellungsstücken und informativen Schautafeln in seinen Bann ziehen, sondern auch mit kompetenten Mitarbeitern begeistern. Im Haus der Geschenke (zu Tito seine Beerdigung) erklärter ein dort arbeitender Mensch, beim Blick auf ein Geschenk aus Peru, dass der Titicaca-See einer der höchst gelegenen Seen der Welt wäre und auch zu Peru gehöre. Chapeau!

Zu sehen: Ergriffenheit und Demut bei Teilnehmern der Reise.ergriffenheit3

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Ergriffenheit war auch bei dem Teilnehmer der Reise zu spüren, der bemerkte, dass sein Reisepass nicht mehr wiederzufinden war.

20.02.09 – ein Freitag

Der Vormittag führte uns zum traditionsreichsten Team der Stadt, dem Fudbalski Klub Crvena Zvezda.

stadion-und-krankenhausHätte man den bösen Gerüchten bis jetzt keinen Glauben schenken wollen, so hörte man es nun von einem Offiziellen des Vereins persönlich. Das für Samstag angesetzte Derby fiel, wie alle anderen Fußballpartien in Serbien, aus. Man brauchte aber eigentlich auch nur aus den Augen schauen.

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Der Vertreter vom Roten Stern Belgrad führte uns durch das eigene Museum und erklärte detailliert die Exponate. Rückfragen von unserer Seite waren von Anfang an erlaubt, Ton- und Videoaufnahmen vorerst nicht. Diese Verbote sollten aber auch im Laufe der Veranstaltung fallen. Interessante Anekdote: Auf die Nachfrage, warum auf einem älteren Mannschaftsposter einer Person das Gesicht zerkratzt wurde, wurde uns mitgeteilt, dass niemanden das Gesicht zerkratzt, sondern es sich nur um ein Materialfehler handeln würde. Beim Offiziellen vom Roten Stern handelte es sich zweifelsohne um einen Profi.

Später wurden wir durch die Vip-Lounge geführt und nahmen in einer der Ehrenlodges Platz für ein Mannschaftsfoto. Investigativ wurde zudem ermittelt, dass die Schnapsflaschen an der Vip-Bar allesamt leer und damit nur zur Dekoration dienten

Nur als Treppenwitz muss bezeichnet werden, dass die Person, die beim Versuch den Projektleiter mit dessen Kamera abzulichten und dabei durch unglaublichen Dilettantismus auffiel, nun selbst von der Kameralinse ausgeschlossen wurde. Nur zu erahnen: Axel

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19.02.09 – ein Donnerstag

In den frühen Morgenstunden hämmerten verschiedene „Menschen“ gegen die Abteilstüren im Schlafwagen. Mit Sicherheit identifiziert sind ein Schaffner und Martin K. („Leeeeeeeeeeeuuuuuute, wir sind in 10 Minuten da“). Angekommen im morgendlichen Beograd ging es zu Fuß zum Hotel. Dabei konnten die Reiseteilnehmer nicht nur Schneeberge wie in den Alpen bestaunt werden, sondern auch Kriegsüberbleibsel wie das zerbombte Verteidigungsministerium Serbiens. Nach der Zerstörung durch Nato-Bomben ist die Ruine eines der am häufigsten fotografierten Gebäude der Stadt.

Unsere Unterkunft im Herzen der Stadt strahlte den morbiden Ost-Charme der 1980er Jahre aus. Trotzdem hatte dieses Hotel etwas (Frühstück, Doppelzimmer, Internetcafe, Hotelbar mit einer Country-Balkan-Combo). Nach einer kurzen Ruhephase setzte sich der Tross, nach Ankunft einer weiteren Teilnehmerin, zu einer längeren Stadtführung in Gang.

Der erste Tag in Belgrad wurde mit einem sehr guten Essen im ältestem Restaurant der Stadt abgerundet. Auf dem Bild zu sehen: Mara freut sich über die vielfältigen Möglichkeiten der Nahrungsaufnahme in der serbischen Hauptstadt.

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18.02.09 – ein Mittwoch

In früher Morgenstunde wurde die slowakische Hauptstadt erreicht. Mit der S-Bahn ging es nach Wien. Hier traf der Projektbetreuer der Hans-Böckler-Stiftung dazu. Nach einem kleinen Frühstück brannte die Reisegruppe darauf, eine Stadtführung durch Wien erleben zu dürfen. Diesem Wunsch wurde schließlich nachgegeben. In der verschneiten Alpenmetropole führte uns die Stadtbesichtigung –organisatorisch sehr intelligent gelöst- direkt zum ersten inhaltlichen Programmpunkt der Reise, dem Interview mit einem Redakteur der Zeitschrift Ballesterer http://www.ballesterer.at/ .

Ein weiteres vereinbartes Treffen mit organisierten Fußballanhängern eines Balkanlandes kam nicht zustande, da man uns versetzte. Die Zeit bis zur Abfahrt des Zuges wurde unter anderem damit verbracht, sich um Eintrittskarten für das kroatische Derby zu bemühen. Dazu wurde eine empfohlene kroatische Lokalität aufgesucht und in den Kontakt mit den männlichen Familienoberhäuptern getreten. Am Abend wurde der Schlafwagen nach Belgrad bestiegen. Während der nächtlichen Pause von 50 Minuten in Budapest entstand dann dieses Bild.

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